aduno-agentur.de: 21 Euro pro Stunde im Homeoffice – warum Bewerber die echten Firmendaten nicht beruhigen sollten
1.800 aktive Mitarbeiter, 38.000 bearbeitete Support-Tickets und eine angeblich hundertprozentig sichere Auszahlung: Mit solchen Zahlen wirbt aduno-agentur.de um Menschen, die von zu Hause aus Geld verdienen möchten.
Das Angebot klingt unkompliziert. Bewerber sollen Kundenanfragen beantworten, erhalten eine kurze Einarbeitung und benötigen keinerlei Vorkenntnisse.
Doch die österreichische Watchlist Internet warnt seit dem 29. September 2026 vor aduno-agentur.de als betrügerischem Jobangebot. Sie nennt Identitätsdiebstahl, Geldverlust und mögliche Geldwäsche als Risiken.
Ich rate Interessenten, die Bewerbung zunächst auszusetzen. Betroffene können über anlagebetrug.de eine kostenfreie Ersteinschätzung anfordern.
Aduno Agentur: Was beim direkten Websiteaufruf sichtbar wird
Bei meinem Direktcheck am 6. November 2026 war aduno-agentur.de sowohl über HTTPS als auch über HTTP erreichbar.
Die Startseite bewirbt eine Tätigkeit als „Support-Agent“. Angeboten werden Minijob, Teilzeit und Vollzeit bei ungefähr 21 Euro Stundenlohn.
Als monatliche Verdienstmöglichkeiten nennt die Website bis zu 603 Euro im Minijob, 1.800 Euro in Teilzeit und 3.200 Euro in Vollzeit.
Versprochen werden flexible Arbeitszeiten, vollständig ortsunabhängiges Arbeiten und SEPA-Auszahlungen innerhalb von sieben Werktagen.
Die Bewerbung soll lediglich zwei Minuten dauern.
Eine tatsächliche Auszahlung oder ein bestehendes Arbeitsverhältnis beweisen diese Werbeaussagen nicht.
Die Zahlen passen nicht vollständig zusammen
Eine kleine Rechenprobe zeigt, warum Bewerber genauer hinsehen sollten.
Bei 21 Euro Stundenlohn und 40 Wochenstunden ergibt sich rechnerisch ein Monatsbrutto von ungefähr 3.640 Euro.
Die Website nennt für Vollzeit dagegen höchstens 3.200 Euro.
Für Teilzeit werden 20 bis 30 Wochenstunden und maximal 1.800 Euro angegeben.
Auch hier bleiben die konkreten Berechnungsgrundlagen offen.
Solche Unterschiede beweisen keinen Jobbetrug. Ich empfehle jedoch, vor einer Bewerbung schriftlich nach Arbeitszeit, Vergütung und Abrechnungsmodell zu fragen.
Die echte aduno GmbH aus Münster
Besonders interessant ist das Impressum.
Dort wird die aduno GmbH, Hedwigstraße 20, 48149 Münster, genannt. Als Geschäftsführer erscheint Marcus Willnath.
Angegeben ist außerdem das Amtsgericht Münster mit der Handelsregisternummer HRB 14162.
Diese Gesellschaft existiert tatsächlich. Unabhängige Unternehmensregister bestätigen ihren Sitz, die Registernummer und den Geschäftsführer.
Die ursprüngliche Gesellschaft wurde 2012 gegründet und firmierte zunächst als aduno UG (haftungsbeschränkt). Seit 2024 trägt sie die Rechtsform GmbH.
Ihr dokumentierter Unternehmensgegenstand betrifft Beratungs- und Managementleistungen.
Entscheidend ist nicht das Handelsregister, sondern die Domain
Die Übereinstimmung der Registerdaten ist zunächst bemerkenswert.
Sie beantwortet allerdings nicht die wichtigste Frage: Hat die echte aduno GmbH den Internetauftritt aduno-agentur.de tatsächlich eingerichtet oder autorisiert?
Eine unabhängige Bestätigung dieser Verbindung konnte ich nicht feststellen.
Ebenso wenig liegt mir ein belastbarer Nachweis vor, dass die Gesellschaft selbst an betrügerischen Stellenangeboten beteiligt wäre.
Bei einem möglichen Unternehmensidentitätsdiebstahl können Dritte korrekte Firmendaten übernehmen, um Bewerber zu täuschen.
Ich empfehle deshalb, die Gesellschaft ausschließlich über unabhängig verifizierte Kontaktdaten anzusprechen.
Kostenfreie Ersteinschätzung
Da Betroffene eines Anlagebetrugs bereits einen empfindlichen Vermögensschaden erlitten haben, bieten wir zunächst eine kostenfreie Ersteinschätzung an. Wir teilen offen und ehrlich mit, was wir in Ihrem Fall für Sie tun können.
- 1Sie schildern uns Ihren Fall
- 2Melden Sie sich unverbindlich per Mail, Telefon oder WhatsApp
- 3Wir prüfen Ihre Erfolgsaussichten
- 4Sie erhalten eine anwaltliche Rückmeldung zu Ihrem Einzelfall.
Ein ungewöhnlicher Fehler in der Datenschutzerklärung
Die Datenschutzerklärung enthält einen aufschlussreichen Widerspruch.
Während die Startseite Support-Agenten sucht, beschreibt der Datenschutztext die Verarbeitung von Bewerbungsdaten ausdrücklich für eine Tätigkeit „als Testperson“.
Das ist keine bloße juristische Feinheit.
Wer sich als Kundenservice-Mitarbeiter bewirbt, sollte wissen, für welchen konkreten Zweck seine personenbezogenen Daten verarbeitet werden.
Die Datenschutzerklärung nennt unter anderem Namen, Geburtsdatum, Anschrift, Telefonnummer und technische Verbindungsdaten.
Außerdem werden Supabase, Resend und ein Hosting-Anbieter als technische Dienstleister aufgeführt.
Diese Angaben beweisen keine rechtswidrige Datenverarbeitung. Der abweichende Bewerbungszweck ist jedoch erklärungsbedürftig.
Bewertungen und Mitarbeiterzahlen: Kein Ersatz für Nachweise
Auf der Website finden sich sechs positive Erfahrungsberichte mit Vornamen und Städten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Zusätzlich wird eine durchschnittliche Bewertung von 4,8 Sternen bei 1.420 Stimmen angegeben.
Ob diese Bewertungen von tatsächlich beschäftigten Personen stammen, konnte ich nicht unabhängig überprüfen.
Dasselbe gilt für die behaupteten 1.800 aktiven Support-Agenten.
Ich rate Bewerbern, solche Angaben nicht mit überprüfbaren Arbeitgeberbewertungen oder einem tatsächlichen Beschäftigungsnachweis gleichzusetzen.
Welche Job-Scamming-Gefahren bestehen?
Bei betrügerischen Homeoffice-Angeboten beginnt die Täuschung häufig mit einer gewöhnlichen Bewerbung.
Später können Ausweiskopien, Kontodaten oder zusätzliche Identitätsprüfungen verlangt werden.
Andere unseriöse Nebenjobs entwickeln sich zu Task-Scams: Angebliche Provisionen werden angezeigt, deren Auszahlung eine Einzahlung voraussetzt.
Besonders gefährlich sind Aufforderungen, fremde Gelder über das eigene Bankkonto weiterzuleiten.
Dass diese konkreten Methoden über aduno-agentur.de eingesetzt wurden, konnte ich nicht unabhängig feststellen. Die öffentliche Warnung rechtfertigt dennoch erhebliche Vorsicht.
Was Sie jetzt sofort tun sollten
Wer sich bei aduno-agentur.de beworben hat, sollte:
- Weitere Datenübermittlung stoppen: Keine Ausweisbilder oder Bankunterlagen nachreichen.
- Website dokumentieren: Gehaltsangaben, Bewertungen und Stellenbeschreibung sichern.
- Arbeitgeber unabhängig kontaktieren: Die tatsächliche Domainzugehörigkeit klären.
- Nachrichten archivieren: E-Mails, Chats und Vertragsentwürfe vollständig speichern.
- Zahlungen überprüfen: Bei verdächtigen Überweisungen sofort die Bank informieren.
- Kontozugänge schützen: Passwörter ändern und Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
- Strafanzeige prüfen: Bei Geldverlust oder konkretem Identitätsmissbrauch.
Ich rate außerdem, niemals fremde Gelder als angebliche Arbeitsaufgabe weiterzuleiten.
Welche Ansprüche können Betroffene haben?
Bei nachgewiesenem Betrug kommen Schadensersatzansprüche aus § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 263 StGB in Betracht.
Bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen kann § 675u BGB einschlägig sein. Selbst veranlasste Überweisungen sind anders zu beurteilen.
Bei einer tatsächlichen Datenschutzverletzung und ersatzfähigem Schaden ist gegebenenfalls Art. 82 DSGVO relevant.
Auch vor Recovery-Scams warne ich: Angebliche Rückholunternehmen verlangen häufig weitere Vorauszahlungen.
aduno-agentur.de: Anwaltliche Unterstützung bei verdächtigen Bewerbungen
Ich, Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht, prüfe bei verdächtigen Stellenangeboten mögliche Identitätsmissbräuche, Zahlungswege und rechtliche Ansprüche.
Über anlagebetrug.de können Betroffene eine kostenfreie Ersteinschätzung anfordern.
Entscheidend sind die tatsächlichen Kontaktpersonen, die übermittelten Bewerbungsdaten und mögliche Zahlungen.
Bei aduno-agentur.de ist die besondere Auffälligkeit nicht eine erfundene Gesellschaft. Vielmehr verwendet die Website nachweislich existierende Firmendaten – während eine unabhängige Bestätigung ihrer Berechtigung zur Nutzung dieser Identität fehlt.
