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Geld zurück nach Anlagebetrug?

fait-recht.de: Fake-Kanzlei mit fremden Anwaltsdaten – Vorsicht vor angeblicher Insolvenzware

Veröffentlicht am 06.11.2026 –

Ein Batteriespeicher aus einer Firmeninsolvenz, ein individuell ausgestelltes Angebot und eine professionelle Kanzleiwebsite: So kann ein vermeintliches Schnäppchen beginnen. Doch hinter fait-recht.de steckt nach der Warnung von Watchlist Internet keine verlässlich identifizierte Rechtsanwaltskanzlei.

Die österreichische Verbraucherplattform führt fait-recht.de seit dem 21. September 2026 auf ihrer Warnliste. Besonders bemerkenswert sind die Hinweise auf fremde Unternehmensdaten, zweifelhafte Anwaltsprofile und Verbindungen zu einer weiteren gewarnten Kanzleiwebsite.

Mein Domaincheck: Was fait-recht.de zeigt

Ich habe fait-recht.de direkt aufgerufen. Die abrufbare Website präsentiert sich als „Fait & Partner Rechtsanwälte“ mit angeblichem Sitz in der Ostendstraße 100, 90482 Nürnberg.

Als Telefonnummer nennt sie 0911 96640920.

Der Internetauftritt verspricht Rechtsberatung bei Unternehmenskrisen, Insolvenzverfahren, arbeitsrechtlichen Konflikten und offenen Forderungen. Besucher können eine angeblich kostenlose Ersteinschätzung anfordern.

Eine professionelle Gestaltung ist jedoch kein Nachweis anwaltlicher Zulassung.

Mein Rat: Übermitteln Sie über fait-recht.de vor einer unabhängigen Identitätsprüfung weder Ausweisdokumente noch vertrauliche Geschäftsunterlagen.

Markus Fait: Die entscheidende Unterscheidung

Die Website stellt Markus Fait als Rechtsanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht sowie Wirtschaftsrecht vor.

Bei der unabhängigen Recherche findet sich tatsächlich ein Rechtsanwalt namens Markus Fait in älteren Anwaltsverzeichnissen. Diese nennen allerdings die Holzhäuser Straße 13 in Leipzig und eine andere Telefonnummer.

Eine veröffentlichte Vorauswahlliste des Insolvenzgerichts Potsdam aus dem Jahr 2025 führt ebenfalls einen Rechtsanwalt Markus Fait auf, dort unter einer Berliner Anschrift.

Ob diese Einträge dieselbe Person betreffen, ist nicht abschließend geklärt.

Entscheidend ist: Keine dieser Fundstellen bestätigt eine Verbindung des dokumentierten Rechtsanwalts Markus Fait zu fait-recht.de in Nürnberg.

Identitätsmissbrauch statt vorschneller Schuldzuweisung

Bei Fake-Kanzleien werden häufig Namen tatsächlich existierender Rechtsanwälte übernommen.

Deshalb ist es möglich, dass ein echter Berufsträger namens Markus Fait selbst von einem Identitätsmissbrauch betroffen ist.

Ebenso muss offenbleiben, ob die Namensgleichheit zufällig ist.

Ich warne ausdrücklich davor, den in Leipzig beziehungsweise Berlin dokumentierten Markus Fait mit den unbekannten Verantwortlichen der gewarnten Domain gleichzusetzen.

Ein persönliches Fehlverhalten des echten Rechtsanwalts ist nicht nachgewiesen.

Katharina Vogt, Julian Reiser und Thomas Kellner

fait-recht.de präsentiert drei weitere angebliche Rechtsanwälte.

Katharina Vogt soll Arbeits- und Vertragsrecht bearbeiten, Julian Reiser Handels- und Gesellschaftsrecht und Thomas Kellner Forderungs- sowie Immobilienrecht.

Eine unabhängige Überprüfung der behaupteten Nürnberger Kanzleizugehörigkeit ergab keine belastbare Bestätigung.

Für Julian Reiser und Thomas Kellner wurden bei einer veröffentlichten Registerprüfung keine passenden Einträge gefunden. Bei Katharina Vogt existieren Namensähnlichkeiten, jedoch keine bestätigte Verbindung zur behaupteten Kanzlei.

Auch hier gilt: Tatsächlich existierende Namensvetter dürfen nicht mit fait-recht.de verwechselt werden.

Fremde Umsatzsteuerdaten als Warnsignal

Ein besonders schwerwiegender Recherchebefund betrifft das Impressum.

Nach einem veröffentlichten Faktencheck verwendet fait-recht.de eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, die einer anderen Nürnberger Rechtsanwaltskanzlei zugeordnet ist: Meinhardt, Gieseler & Partner mbB.

Die echte Kanzlei Meinhardt, Gieseler & Partner mbB ist deshalb ausdrücklich von Fait & Partner zu unterscheiden.

Eine gemeinsame geschäftliche Tätigkeit ist nicht belegt.

Ich empfehle, bei verdächtigen Kanzleien nicht nur die Umsatzsteuer-ID zu kontrollieren, sondern auch den tatsächlichen Rechtsträger und dessen unabhängig dokumentierte Anschrift.

Kostenfreie Ersteinschätzung

Da Betroffene eines Anlagebetrugs bereits einen empfindlichen Vermögensschaden erlitten haben, bieten wir zunächst eine kostenfreie Ersteinschätzung an. Wir teilen offen und ehrlich mit, was wir in Ihrem Fall für Sie tun können.

  • 1Sie schildern uns Ihren Fall
  • 2Melden Sie sich unverbindlich per Mail, Telefon oder WhatsApp
  • 3Wir prüfen Ihre Erfolgsaussichten
  • 4Sie erhalten eine anwaltliche Rückmeldung zu Ihrem Einzelfall.

Dieselben Anwaltsgesichter auf einer zweiten Fake-Website

Die Recherche zeigt noch eine auffällige Parallele.

Die ebenfalls gewarnte Domain benzing-kollegen.de präsentiert angeblich „Benzing & Partner“.

Bei einem Vergleich wurden dieselben Mitarbeiterporträts verwendet, allerdings unter anderen Namen.

Auch Telefonnummer und Umsatzsteuer-ID sollen übereinstimmen.

Einzelne Bilder zeigen Hinweise auf KI-generierte beziehungsweise KI-bearbeitete Porträts.

Das spricht gegen die Verlässlichkeit der Teamdarstellungen. Wer die beiden Websites tatsächlich betreibt, ist dadurch allerdings noch nicht geklärt.

Der konkrete Insolvenzverkauf: Batteriespeicher gegen Vorkasse

Besonders wichtig für mögliche Geschädigte ist ein dokumentiertes Angebot.

Unter dem Namen Fait & Partner wurde eine BYD Battery-Box Premium HVS 10.2 aus angeblicher Insolvenzmasse angeboten.

Der Kaufpreis sollte vollständig vor Lieferung überwiesen werden.

Nach dem veröffentlichten Faktencheck fehlten in den Verkaufsunterlagen wesentliche Angaben: Insolvenzschuldner, zuständiges Insolvenzgericht und Aktenzeichen.

Ich empfehle, bei solchen Angeboten nicht über den Preis zu verhandeln, bevor überhaupt die Existenz des Insolvenzverfahrens bestätigt ist.

Fake-Insolvenzverwalter verkaufen nicht nur Batteriespeicher

Die Betrugsmasche umfasst allgemein Fahrzeuge, Baumaschinen, Wärmepumpen, Solartechnik und industrielle Lagerbestände.

Auch Goldbarren oder Edelmetallmünzen können als angebliche Insolvenzware angeboten werden.

Der Verband Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands warnt vor kopierten Kanzleiwebsites mit veränderten Kontaktdaten und ungewöhnlich günstigen Verkaufsangeboten.

Ein konkreter Goldverkauf über fait-recht.de ist nicht nachgewiesen.

Mein Rat: Verlangen Sie den Namen des Insolvenzschuldners, das Aktenzeichen und einen unabhängig überprüfbaren Nachweis der Verkaufsbefugnis.

Erbschaften und Urheberrechtsforderungen: Weitere Risiken

Watchlist Internet beschreibt bei fait-recht.de nicht nur angebliche Insolvenzverkäufe.

Die Domain wird auch mit erfundenen Erbschaften und fingierten Urheberrechtsforderungen in Verbindung gebracht.

Das zeigt die Vielseitigkeit betrügerischer Anwaltswebsites: Mal wird ein finanzieller Vorteil versprochen, mal mit einer Klage gedroht.

Ich empfehle, weder angebliche Freigabegebühren für Erbschaften noch ungeprüfte Vergleichsbeträge zu überweisen.

Eine echte anwaltliche Forderung muss nachvollziehbar begründet und unabhängig überprüfbar sein.

Was Betroffene jetzt konkret tun sollten

Wer bereits mit fait-recht.de kommuniziert hat, sollte den vollständigen Schriftverkehr sichern.

Dazu gehören Warenkataloge, Rechnungen, Kontodaten, Zahlungsbelege, angebliche Gerichtsbeschlüsse und die ursprünglichen E-Mail-Dateien.

Prüfen Sie die Kanzleiidentität im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis. Verwechseln Sie dabei den unabhängig dokumentierten Rechtsanwalt Markus Fait keinesfalls mit den Betreibern der gewarnten Domain.

Bereits überwiesenes Geld sollte unverzüglich bei der Bank reklamiert werden. Bei Betrugsverdacht empfehle ich außerdem eine Strafanzeige.

fait-recht.de: Kostenfreie Ersteinschätzung für Geschädigte

Ich, Rechtsanwalt Martin Wehrmann von WEHRMANN Digital- und Wirtschaftsrecht, prüfe bei Fake-Kanzleien mögliche Zahlungsansprüche, Empfängerkonten und Beweismittel.

Über anlagebetrug.de können Betroffene eine kostenfreie Ersteinschätzung anfordern.

Dabei ist die Trennung entscheidend: fait-recht.de ist eine öffentlich gewarnte Kanzleidomain. Die echten Berufsträger und Unternehmen, deren Namen oder Daten möglicherweise missbraucht wurden – insbesondere ein Rechtsanwalt namens Markus Fait und die Kanzlei Meinhardt, Gieseler & Partner mbB –, dürfen nicht ohne Beweise mit den Verantwortlichen der Website gleichgesetzt werden.